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1. DM Fanzelten 2002

 

Voll krass: Funker Vogt & Co.

Depeche-Mode-Fanzelten: Tiefschwarze Nächte in Mark Schönstädt

 

1. DM Fanzelten

Die Nacht zum Tag gemacht: Depeche-Mode-Anhänger trafen sich zu Kultfestival im Waldbad Mark Schönstädt. Foto: K. Peschel

Mark Schönstädt. Dark Wave, Depeche Mode, Camouflage? Wer damit nichts anfangen kann, der wird sich am Wochenende, bei der Durchfahrt in Mark Schönstädt, wohl sehr gewundert haben. Denn die Anhänger der weltbekannten Band "Depeche Mode", kurz DM, feierten ihre Idole beim "1. DM-Fanzelten". Depeche Mode selbst war nicht da, dafür aber zahlreiche andere Vertreter der "Dark Wave"-Szene. So begeisterten zum Beispiel Funker Vogt, Welle Erdball, Camouflage oder Covenant die über 1000 Besucher. Faszination löste das Publikum bei Außenstehenden aus, denn ganz klar dominierte schwarz die Kleidung und Haare der Fans. Manch einer erinnerte sich dabei vielleicht an Leipzig zu Pfingsten. Denn viele der Besucher des "1. DM- Fanzeltens" sind alljährlich beim "Wave Gothik Treffen" in der Messestadt dabei. Dort darf man feststellen, wie friedlich die sogenannten Grufties sind und dass sich hinter den Symbolen zu Ehren Satans ganz nette Menschen verbergen. Die Befürchtung von Anrufern, die sich im Vorfeld beunruhigt bei unserer Zeitung meldeten, fand sich am Wochenende nicht bestätigt. So freute sich Joachim Biehler, dass in Mark Schönstädt endlich wieder was los ist. "Wem es zu laut ist, der soll dann in Urlaub fahren", meinte er lakonisch. Genauso hat es Irmgart Weinert gemacht, deshalb kamen auch von der Rentnerin keine Klagen. Sie fürchtete nur um das schöne Naturbad. Damit das schön bleibt, liefen ständig Ordnungskräfte mit Müllsäcken umher. Davon konnten sich die Einwohner jederzeit überzeugen.

Der Personalausweis mit Eintragung "Mark Schönstädt" galt an allen drei Tagen als Eintrittskarte. Die 25-jährige Dominika Grabowski aus dem Dorf ist selbst DM-Fan und freute sich, trotz des schlechten Wetters am Freitag, kostenlos beim Spektakel dabei zu sein. Einheimische bildeten aber eher die Ausnahme, denn wie es auch die Nummernschilder verrieten, kam das Gros der Besucher aus allen Teilen der Republik. Über Internet-Chat oder Flyer hatten die meisten von dem Festival erfahren, so auch Sabine Helk (21) und Nicole Siegel (24) aus Apolda.

Der tragische Tod eines 21-jährigen Fans, der am Samstagnachmittag an Herzversagen verstarb, überschattete das Festival. Der Notarzt konnte trotz intensiver Wiederbelebungsversuche nur noch einen natürlichen Tod feststellen.

Thomas Beyer

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Montag, 21. Juli 2002

 

 

Schöner campen mit Musik

Ungewöhnliches Depeche Mode Fanzelten bei Wurzen

 

1. DM Fanzelten

Bei Sonne, unter Regenwolken oder Sternenhimmel: Am Wochenende zogen Depeche Mode Fans zum Feiern in den Wald. Foto: K. Peschel

Wie das sonntägliche Finale im Fußballturnier der Depeche Mode Fanclubs ausging, ist eigentlich egal. Fest steht, dass in den frühen Morgenstunden in Meltewitz (bei Wurzen) ein ungewöhnliches Festival endete: Das Depeche Mode Fanzelten, organisiert von der Leipziger Stefan Marti Events KG. Doch wer denkt, dass in der idyllischen Gegend am alten Steinbruch eine Versammlung blassgesichtiger Schwarzgewandeter Fanfoster, Unterschriftenkarten und andere Devotionalien tauschten, der irrt.

Zum ersten Mal professionell aufgezogen, trafen sich drei Tage lang Anhänger der dunkleren elektronischen Musik und hatten Spaß. Depeche Mode, wichtigste Gründerväter dieser Richtung, standen zwar nicht auf einer der beiden Bühnen, dafür jedoch diverse Coverbands, Elektroniker der härteren Gangart (Funker Vogt) und Party-Garanten wie Welle Erdball und S.P.O.C.K.

Teuer für die Veranstalter, aber absolute Besuchermagneten waren die Headliner Camouflage (Freitag) und Coventant (Sonnabend), die das dankbare Publikum genossen und nicht mit Zugaben geizten. Wer bei den insgesamt 23 Bands noch nicht in Bewegung kam, dem wurde von internationalen Szene-DJs im Discozelt mit Blick auf den See bis in die frühen Morgenstunden eingeheizt. Allein der Soundbrei bei gleichzeitigen Bespielen der Bühnen war eher unbekömmlich.

Einige Meltewitzer wollten sehen, was da los war und sorgten für bunte Tupfer zwischen dickbeschuhten Schwarzen. Sie waren schon wieder zu Hause, als S.P.O.C.K. ein Tribute to Britney sangen und sicher längst im Bett, als Coventant das neue Album "Call the ships to port" vorstellten und mit ihrer erstaunlichen Anzahl von Clubhits die Menge bis weit nach Mitternacht zum Kochen brachten.

Doch es kamen insgesamt weit weniger Zuschauer (1500) als erwartet. Eine Neuauflage des kleinen und feinen Festivals im kommenden Jahr ist dennoch geplant.

Leider gab es auch berührende Stille auf dem Festivalgelände: Schweigeminuten für einen 21-Jährigen, der am Sonnabend an Herzversagen starb.

Martin Pfister

Quelle: Leipziger Volkszeitung vom Montag, 21. Juli 2002